Auf dem Weg zur Barrierefreiheit

 

 

22.10.2010

Der Beirat für Menschen mit Behinderungen im Landkreis Anhalt-Bitterfeld hat sich als Arbeitsschwerpunkt für das Jahr 2010 vorgenommen, die drei Krankenhäuser im Landkreis zu besuchen. Ziel dieser Besuche war, festzustellen, wie barrierefrei unsere Krankenhäuser tatsächlich sind, d.h. in wie weit können Menschen mit Behinderung das jeweilige Krankenhaus sowohl als Patient als auch als Besucher uneingeschränkt nutzen. Noch einmal zur Erinnerung, Barrierefreiheit bedeutet, dass alle gestalteten Lebensräume wie z.B. Bauten, Verkehrsmittel, Informationsverarbeitung und Kommunikationseinrichtungen von allen Menschen  weitestgehend selbstständig, ohne fremde Hilfe genutzt werden können. Dabei ist uns bewusst, dass weitgehende Barrierefreiheit nur schrittweise zu erreichen ist und es sich um einen fortlaufenden Prozess handelt, in dem viele Partner gewonnen werden müssen. Dabei sind die Erfahrungen und Wahrnehmungen der Menschen mit Behinderungen von unschätzbarer Bedeutung.  

In der ersten Hälfte dieses Jahres besuchte der Beirat bereits die Krankenhäuser in Köthen und Bitterfeld. Am Mittwoch in der vergangenen Woche traf sich der Beirat für Menschen mit Behinderungen im Landkreis Anhalt-Bitterfeld nun im Krankenhaus in Zerbst. Der Beirat ist mit großer Freundlichkeit begrüßt worden, die sich auch in allen besuchten Bereichen wieder fand. Neben Eingangsbereich, der Funktionsdiagnostik und einer Station wurde auch ein Blick in die Physiotherapie gerichtet. Aufmerksam und interessiert, immer aus der Sicht - Nutzung durch Betroffene- verfolgten die Beiratsmitglieder die Führung durch Teile des Krankenhauses. Das Haus selbst ist ohne Barrieren gebaut, d.h. ebenerdiger Zugang, keine Schwellen, breite Flure, breite Türen, vorhandene Behindertentoilette, barrierefreies Etagenbad. Aber der Teufel steckt bekanntlich im Detail. Die uns begleitende Mitarbeiterin beantwortete unsere vielen Fragen und zeigte sich sehr aufgeschlossen gegenüber unseren Hinweisen, wie durch kleine Veränderungen mehr Barrierefreiheit zu gewinnen ist. So wurde von den Beiratsmitgliedern Möglichkeiten aufgezeigt,

  • wie die Handhabbarkeit von z.B. Schaltern nicht nur für Menschen mit Behinderungen  zu verändern und zu verbessern sind oder,
  • wie das Anbringen einer einfachen Querstange an der Innenseite der Toilettentür dem Rollstuhlfahrer das selbständige Schließen der Tür ermöglicht.
  • Auch auf die Höhe und damit Nicht-Erreichbarkeit der Fahrstuhlbedienelemente aus dem Rollstuhl heraus wurde hingewiesen,
  • wie auch auf fehlende Markierungen der ersten und der letzten Treppenstufe, was für Menschen mit Sehbehinderungen sehr wichtig ist.
  • Das Etagenbad entspricht den Anforderungen der Barrierefreiheit, allerdings wird es als Abstellraum genutzt und schließt somit die Nutzung durch einen Rollstuhlfahrer, der eben auf viel Bewegungsfläche angewiesen ist, aus- schade!


Bereits vor fünf Jahren hat der Behindertenbeirat, damals des Landkreises Anhalt-Zerbst das Krankenhaus besucht und fast die gleichen Hinweise gegeben. Wir bedauern, dass es in den fünf Jahren keinerlei Bewegung hinsichtlich der Umsetzung dieser Hinweise gegeben hat. Wir setzen allerdings große Hoffnung in den neuen Träger des Krankenhauses, der bereits bei unserem Besuch im Köthener Krankenhaus großes Interesse an einer Zusammenarbeit zeigte und hoffen nunmehr, dass unsere Hinweise stärkere Beachtung finden und der begonnen Weg hin zu der Qualitätsstufe Barrierefreiheit fortgesetzt wird.