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Diskussionsthemen

Bildung, Chancengleichheit für Kinder und Jugendliche

1.  Erweiterte Sekundarschule als Kompromiss

– auf dem Weg zu mehr Bildungsgerechtigkeit?

MdL Birke Bull,
Mitglied der Lantagsfraktion der Partei DIE LINKE in Sachsen-Anhalt

 

Die mangelnde Durchlässigkeit zwischen den Bildungsgängen der Sekundarschule und des Gymnasiums ist eine der großen Barrieren für Bildungsgerechtigkeit.

Einmal auf ein Gleis gesetzt, schaffen gerade SchülerInnen aus der Sekundarschule nur in den seltensten Fällen den Übergang zum Gymnasium mit der Perspektive, dort das Abitur abzulegen. Viel zu sehr geht die Schere zwischen beiden Bildungsangeboten nach der Trennung in Klasse 5 auseinander. Soll die Durchlässigkeit verbessert werden, liegt es also nahe, das Bildungsangebot in den Sekundarschulen schrittweise dem der Gymnasien anzugleichen. Das könnte den Rückstand – zum Beispiel beim Erlernen der 2. Fremdsprache – ausgleichen. Die Durchlässigkeit würde sich ganz real und erheblich verbessern. Dazu kommt, dass damit auch der Druck der Entscheidung entschärft würde, der auf vielen SchülerInnen lastet, wenn spätestens in Klasse 4 über den künftigen Bildungsgang entschieden werden soll. So genannte Spätentwickler bekämen eine reale Chance, auch mit dem Besuch der Sekundarschule den Weg zum Abitur als realistische Chance offen zu halten. Nicht zuletzt würde das Image der Sekundarschule deutlich verbessert werden. Verbindet man das noch mit einem interessanten berufsorientierenden polytechnischen Angebot, so wäre die künftige Sekundarschule sehr wohl eine attraktive Alternative zum Gymnasium. Der pädagogische Wettbewerb belebt das „Geschäft“. So oder ähnlich könnte sich Schulreform entwickeln. Ein denkbarer Schritt also perspektivisch hin zu längerem gemeinsamen Lernen.

Diese Strategie der Angleichung der Bildungsgänge ist von mehreren AkteurInnen in Sachsen-Anhalt im Rahmen der Arbeit des Bildungskonvents aufgegriffen worden. Die Fraktion DIE LINKE erarbeitete bereits in der vergangenen Legislaturperiode ein Schulreformkonzept, was einen solchen Weg hin zu längerem gemeinsamen Lernen eröffnet. Schrittweise würde die Stundentafel in den Sekundarschulen denen des Gymnasiums angeglichen. Alle Abschlüsse wären dort wie auch am Gymnasium erreichbar: der Hauptschulabschluss, der (erweiterte) Realschulabschluss ebenso wie das Abitur. Auch der Vertreter des Städte- und Gemeindebundes in Sachsen-Anhalt, Andreas Michelmann – Oberbürgermeister von Aschersleben - griff mit seinem Modell der erweiterten Sekundarschule diesen Gedanken auf. Vorgeschlagen wird ebenfalls, in der Sekundarschule künftig alle Schulabschlüsse zu ermöglichen. Auch eine Stärkung polytechnischer Angebote – z.B. in Verbindung mit dem  Weg zum Abitur (die so genannte Berufsausbildung mit Abitur) – wird diskutiert. Es scheint, als eröffne sich hier der Weg zu einem Kompromiss zwischen den höchst unterschiedlichen Auffassungen zum derzeitigen Schulsystem. Die Grundschulen könnten sich in ihrer Eigenständigkeit weiter pädagogisch entwickeln. Strittig bliebe lediglich die fernere Zukunft des grundständigen Gymnasiums – ab Klasse 5. Für den Beginn einer solchen Reformstrategie wäre das aber nicht hinderlich und auch nicht entscheidend. Das erste Stück des bildungspolitischen Weges in Sachsen-Anhalt könnte so durchaus in einem breiten Konsens beschritten werden.

Am 26. April 2010 wird die AG Schulstruktur des Bildungskonvents letztmalig darüber entscheiden. Die letzte Hürde muss ein Kompromissentwurf dann im Juni auf der abschließenden Tagung des Konvents selbst nehmen – und dann mit einer satten 2/3 Mehrheit. DIE LINKE im Landtag jedenfalls unterstützt eine solche Strategie.

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