Stellungnahmen / politische Angebote und Vorschläge
Gedenken an die Opfer des Faschismus
Gedenken an Ernst Thälmann
Kurt Menzel,
Gedenkredner zum 65. Jahrestages des Todes von Ernst Thälmann
Liebe Freunde und Genossen!
Wir gedenken heute des 65. Jahrestages des Todes von Ernst Thälmann.
In der Nacht zum 18. August 1944 wurde Ernst Thälmann im Konzentrationslager Buchenwald ermordet. Heimtückisch hatten ihn die Faschisten umgebracht.
Fast elfeinhalb Jahre war Ernst Thälmann inhaftiert, und in all diesen Jahren war der Vorsitzende der Kommunistischen Partei Deutschlands seiner Klasse, seinem Volk eng verbunden. Er blieb das, was er immer gewesen war, ein unbeugsamer Streiter für die Sache der sozialen Gerechtigkeit, für Frieden und Sozialismus.
Leben und Wirken Ernst Thälmanns sind untrennbar mit der revolutionären deutschen Arbeiterbewegung in der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts verbunden. Unter seiner Führung als Vorsitzender der KPD entwickelte sich auch im Kreis Bitterfeld ein kampfstarker Unterbezirk der Partei, der sich um eine breite Basis des antifaschistischen Kampfes bemühte.
Es gelang das politische Ansehen der KPD, besonders unter den Arbeiterinnen und Arbeiter, zu erhöhen. Abgeordnete der KPD erhoben ihre Stimme in fast allen gewählten kommunalen Parlamenten und Räten des Kreises Bitterfeld.
Thälmann wuchs als Arbeiter unter Arbeitern heran und blieb ein Arbeiter auch dann, als er an der Spitze einer großen kommunistischen Partei stand. Hier in der Region Bitterfeld-Wolfen / Jeßnitz haben tausende Bürger, unter ihnen besonders die Arbeiterinnen und Arbeiter aus den Werken der IG Farben und den Braunkohlengruben, in Ernst Thälmann ihren Genossen, ihren Kameraden gesehen, der im Kampf gegen das soziale Elend und gegen den Nazi-Faschismus an der Spitze stand und dem man vertraute.
Beim l. Wahlgang zur Reichspräsidentenwahl am 13. März 1932 stimmten im Kreis Bitterfeld 18.900 Wähler für Thälmann, bei der Reichstagswahl am 6. November 1932 stimmten über 20.300 Wähler im Kreis Bitterfeld für die KPD und bei der Reichstagswahl am 5. März 1933, bereits unter der Regierung von Hitler, stimmten über 19.000 Wähler für die KPD.
Wenn man alle Parteien nimmt, die am Vorabend der Machtergreifung durch die NSDAP im Deutschen Reichstag saßen, war nur die KPD unter ihrem Vorsitzenden Ernst Thälmann in der Lage den Menschen in Deutschland zu sagen was sie vom deutschen Faschismus zu erwarten hatten. Diese Voraussage gipfelte in den Worten: „Wer Hindenburg wählt, — wählt Hitler, wer Hitler wählt, — wählt den Krieg!“
Das ist auch ein Grund dafür, dass sich hier in Bitterfeld, Holzweißig, Wolfen, Sandersdorf, Ramsin, Jeßnitz und vielen anderen Orten des damaligen Kreises - Menschen zusammengefunden haben, die im Sinne von Thälmann gegen den Hitler-Faschismus auftraten, als Antifaschisten handelten und in vielfältiger Form - Widerstand gegen das Hitler-Regime leisteten. Die faschistischen Machthaber haben mit allen Mitteln versucht, diesen Widerstand zu unterdrücken. Wer sich den Nazi-Anforderungen verweigerte und gegen diese auftrat, wurde verfolgt, in das Leben bedrohende Konzentrationslager eingesperrt und von Sondergerichten zu hohen Zuchthausstrafen bis hin zur Todesstrafe verurteilt.
So wurden aus dem Kreis Bitterfeld - 8 Antifaschisten zum Tode und mehr als 120 Antifaschisten zu Gefängnis und Zuchthaus verurteilt. 23 Antifaschisten ließen während der Haft ihr Leben oder starben kurz nach der Befreiung. Mehr als 250 Antifaschisten aus dem Kreis Bitterfeld waren in KZ´n eingekerkert.
Am 65. Jahrestag der Ermordung von Ernst Thälmann hat der Schwur der Überlebenden des Konzentrationslagers Buchenwald, nicht eher zu ruhen bis der Nazismus mit seinen Wurzeln ausgerottet ist, nach wie vor aktuelle Bedeutung. Die DDR hat im Sinne dieses Schwures gehandelt und - ob verordnet oder nicht - der Welt gezeigt, dass in diesem deutschen Staat das Vermächtnis der Opfer des Faschismus bewahrt und danach gehandelt wurde. Doch die Wurzeln des deutschen Faschismus sind nicht tot. Das beweisen die öffentliche Demonstrationen von „Neuen Nazis“, ihre Losungen und ihr politisches Auftreten – auch verschiedentlich als gewählte Abgeordnete in Kreis- und Länderparlamenten.
Die an den Hebeln der Macht in Deutschland befindlichen Kräfte tun sich schwer - bis hin zur totalen Inaktivität – den neuen Faschisten das öffentliche Wirken und ihre Organisationen zu verbieten.
Für uns als Antifaschisten bleibt deshalb nur eine Schlussfolgerung:
Für unsere Hoffnungen und Ziele müssen wir weiter kämpfen.
So gedenken wir Ernst Thälmann und allen im Kampf gegen den Faschismus gefallenen Kameraden und Genossen und wollen immer - wo es möglich ist - in ihrem Sinne handeln.

