Vietnam - fernes, nahes Land
Von Klaus Fettig, Blickpunkt 10/2010;
Am 2. September 1945 proklamierte in Hanoi der legendäre Führer des vietnamesischen Volkes Ho Chi Minh die Unabhängigkeit und die Gründung der Demokratische Republik Vietnam (DRV), zu dessen Präsident er später gewählt wurde. Die Völker Indochinas - Laos, Kambodscha, Vietnam - hatten die japanischen Besatzer (1940 - 1945) bis August 1945 vertrieben.
Von Klaus Fettig
(Artikel aus Blickpunkt 10/2010)
Am 2. September 1945 proklamierte in Hanoi der legendäre Führer des vietnamesischen Volkes Ho Chi Minh die Unabhängigkeit und die Gründung der Demokratische Republik Vietnam (DRV), zu dessen Präsident er später gewählt wurde. Die Völker Indochinas - Laos, Kambodscha, Vietnam - hatten die japanischen Besatzer (1940 - 1945) bis August 1945 vertrieben. Frankreich hatte trotz eines Vertrages nie die Absicht, Vietnam die Unabhängigkeit zu gewähren. Im Dezember 1946 begann der Angriff der französischen Interventionsarmee, unter ihnen Tausende Fremdenlegionäre, auf Hanoi. In einem 8 jährigen, brutalen Kolonialkrieg verloren eine Mill. Vietnamesen ihr Leben. In der Schlacht bei Dien Bien Phu (07. Mai 1954) wurde die französische Interventionsarmee vernichtend geschlagen. Im Juli 1954 fand in Genf (Schweiz) die Indochinakonferenz mit der Unterzeichnung eines Vertrages über die Herstellung des Friedens statt. Aber Frankreich und besonders die USA wollten ihren Machteinfluss in dieser Region nicht ganz verlieren und Vietnam wurde gespalten. Im Norden entstand die DRV und im Süden mit massiver Hilfe der USA die Republik Südvietnam.
Die Völker Indochinas hatten keine 10 Jahre Zeit, die Zerstörungen zu beseitigen und zum Aufbau über zugehen. Auch verschärften sich die Widersprüche in Südvietnam. Im Dezember 1960 wurde die Nationale Befreiungsfront Südvietnams, die NFB, gegründet, die den Befreiungskampf aufnahm.
Die USA schickte ab 1962/63 Militärberater und bis 1973 hatten die US Streitkräfte eine Stärke von 500.000 Soldaten. Dazu kamen noch 500.000 Soldaten Südvietnams. Trotz Einsatz modernster Kriegtechnik, des Bombers B 52, von Napalm, des Giftes „Agent Orange“ zur Entlaubung der tropischen Regenwälder und der Drohung des Einsatzes von Atomwaffen, standen die US Streitkräfte auf verlorenen Posten. Im August 1964 befahl USA Präsident Johnson die DRV massiv aus der Luft anzugreifen. Der provokative Grund - die Marine der DRV hätte ein US Kriegsschiff angegriffen. In Nordvietnam wurde alles zerstört - Städte, Dörfer, Deiche, Brücken, Gleisanlagen, Industrie und die Ernte auf den Reisfeldern. Oder das Massaker von Son My und My Lai, wo die Einwohner dieser Dörfer alle umgebracht wurden. Ein Befehl lautete - Vietnam in die Steinzeit zu bomben. Über Vietnam, Laos und Kambodscha wurden von 1964 bis 1973 mehr Bomben abgeworfen als im 2. Weltkrieg über ganz Europa. Trotz dieses Vernichtungsfeldzuges konnte die USA den Siegeswillen nie zerstören, auch nicht den legendären Ho Chi Minh Pfad zur Versorgung der Truppen im Süden.
Der Siegeswille Vietnams, die weltweite Solidarität, die materielle Hilfe, die Spenden, z. B. die berühmten Transportfahrräder, und die Antikriegsbewegung, besonders in Amerika, trugen zur schwersten militärischen Niederlage der USA im 20. Jahrhundert bei. Anfang 1973 musste die US Regierung in Paris den Vertrag über den Frieden in Vietnam unterzeichnen. Aber der Krieg in Südvietnam ging weiter, weil das dort etablierte Regime den Frieden nicht wollte. Am 1. Mai 1975 wehte die Fahne über dem Königspalast von Saigon und am 2. Mai 1975 war ganz Vietnam befreit.
Das Fazit – rund 5 Mill. Vietnamesen, über 100.000 Laoten und Kambodschaner, aber auch 58.000 US Soldaten verloren ihr Leben, nicht zu vergessen die Verletzten und Verstümmelten, die Frauen, die durch dieses Gift noch missgebildete Kinder zur Welt bringen. Angesichts dieser massiven Zerstörungen in allen Lebensbereichen sollte sich jeder selbst fragen - hat das vietnamesische Volk nicht mehr Achtung verdient?

