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Zu Gast in Bitterfeld-Wolfen: Dr. Heinz Florian Oertel

Von Manfred Wiesnewsky, Blickpunkt 12/2010;

Die „RotFuchs“-Regionalgruppe Bitterfeld/Wolfen hatte im November gemeinsam mit dem Kreisverband der Partei DIE LINKE - Dr. Heinz Florian Oertel zu Gast. In gewohnter Manier beantwortete er die Fragen eines großen Kreises hochinteressierter Zuhörer.

 

 

Von Manfred Wiesnewsky, Mitglied im RotFuchs-Förderverein e.V., Regionalgruppe Bitterfeld/Wolfen, Blickpunkt 12/2010

 

Die „RotFuchs“-Regionalgruppe Bitterfeld/Wolfen hatte im November gemeinsam mit dem Kreisverband der Partei DIE LINKE - Dr. Heinz Florian Oertel zu Gast. In gewohnter Manier beantwortete der prominente Sportjournalist und Buchautor die Fragen eines großen Kreises hochinteressierter Zuhörer.

Ob zur gegenwärtigen bundesrepublikanischen Sportberichterstattung oder zu erwartenden Reaktionen auf seine in mehreren Büchern angebotenen Diskussionsansätze wie auch zum Wesen bürgerlicher Rundfunk- und Fernsehwirklichkeit, Heinz Florian Oertel hatte seinen Finger genau auf der Wunde, die durch Absicht, Ignoranz und Überheblichkeit der Verantwortlichen dieser Republik nicht heilen will und wird. Es scheint einfacher zu sein, den betroffenen Teil einfach stillschweigend zu amputieren oder abfallen zu lassen, als sich brüderlich über die Heilung schmerzlicher Erfahrungen zu unterhalten. So kann sich Heinz Florian Oertel vor Einladungen aus den so genannten neuen Ländern nicht retten, während er  aus dem Gebiet der alten Bundesrepublik auch nicht eine einzige erhalten hat. Dazu passt, dass der Fernsehberichterstatter Peter Hane, den Oertel in seinem Buch „Gott sei Dank“ direkte Gesprächsangebote unterbreitete, darauf nicht geantwortet hat, so wie sich auch noch niemand aus Hanes Gefilden für Oertels fernsehjournalistische Tätigkeit interessierte. Natürlich, so fügte er hinzu, hatten wir Alten eine andere Zeit, auch eine längere Zeit zur Qualifikation. Und Menschen sind auch so, wie die Zeit, in der sie bewusst leben. Doch es gäbe auch noch etwas anderes. Der Text für seine Sendungen wie zum Beispiel für „Portrait per Telefon“ wurden von ihm und einer Mitarbeiterin gestaltet, während für heutige Sendungen bis zu 30 Mitarbeiter zu Gange sind, die sich an der Sendung festhalten und irgendeine Tätigkeit ausüben und wenn es nur das Kaffeeholen ist. Eine weitere Eigenschaft seiner Sendungen finde sich heute auch kaum noch: seine Sendungen waren „live“, die heutigen sind es zumeist nicht. Was in seiner „Live“-Sendung gesprochen oder als Fernsehbild aufgenommen wurde, ging auch so über den Sender, ohne wenn und aber. Ein Interview mit Manfred Krug sollte dies belegen, dem er wenige Minuten vor dem Ende die Frage stellte, was er denn im bevorstehenden Urlaub anstellen würde. Und Krug antwortete, dass er sicher etwas lesen werde, nämlich die neuesten Gedichte seines Freundes Biermann. Diese Antwort ging über den Sender und die Sendung war zu Ende. Oertel musste zwar am nächsten Tag zum Rapport, aber gesendet war gesendet.

Man merkte den Ausführungen Heinz Florian Oertels einen gehörigen Schuss Altersweisheit an, wenn er beispielsweise Rainer Maria Rilkes Gedicht „Herbsttag“ vortrug, das er in jugendlichen Alter erlernte oder wenn er sich mit den Worten verabschiedete. „Ich sage danke, dass Sie so freundlich waren.“ Sein souveräner Auftritt im Wolfener Kulturhaus offenbarte die gleiche Beliebtheit wie früher. Ernst oder humorvoll formulierte er mit gewohnter Präzision seine Gedanken. Es war zu spüren, wie sehr er seiner Heimat DDR verbunden war. Eine überzeugende Selbstdarstellung.

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