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65 Jahre Bodenreform

 

Von Klaus Fettig, Blickpunkt 10/2010;

Seit Jahrhunderten kämpfte die Mehrheit der Bauern um ein Stück Land, die Landarbeiter und Tagelöhner, die Mägde und Knechte um ihre soziale Befreiung.

 

 

Von Klaus Fettig
(Artikel aus Blickpunkt 10/2010)

Seit Jahrhunderten kämpfte die Mehrheit der Bauern um ein Stück Land, die Landarbeiter und Tagelöhner, die Mägde und Knechte um ihre soziale Befreiung.

Der Große Deutsche Bauernkrieg im 16. Jahrhundert und die ständig aufflackernden Aufstände gegen das Junkertum und gegen die Großgrundbesitzer sind die Bestätigung dieser sozialen Auseinandersetzungen auf dem Lande.

Nach der Zerschlagung des Faschismus 1945 bestand erstmals die reale Chance, diese soziale Frage, zumindest in einem Teil Deutschlands, auf dem Lande zu lösen. Am 2. September 1945 legte Wilhelm Pieck, Vorsitzender der KPD, in Kyritz (Mark Brandenburg) das Programm der Bodenreform dar. Unter der Losung „Junkerland in Bauernhand“ wurde gefordert, Faschisten, Kriegsverbrecher und Kriegsgewinnler, Junker und Großgrundbesitzer entschädigungslos zu enteignen. Dieser politische und demokratische Akt der Bodenreform wurde durch die Komitees der Landarbeiter und Bauern vollzogen. Am 3. September 1945 trat die Verordnung über die Bodenreform in der Provinz Sachsen in Kraft.

3,3 Mill. ha Land (35 % der landw. Nutzfläche der sow. Besatzungszone) gingen in den Bodenfond über. Enteignet wurden 7.160 Großgrundbesitzer, die 2.517.357 ha Land besaßen sowie 4.537 Nazis und Kriegsverbrecher mit 131.742 ha.  

Davon wurden 2,2 Mill. ha an 599.000 landlose und landarme Bauern, Landarbeiter, Flüchtlinge und Umsiedler verteilt. 1,1 Mill. ha erhielten die neu gegründeten staatlichen Güter. 39.838 Altbauern bekamen Wald zur Bewirtschaftung.

Im damaligen Kreis Bitterfeld wurden 108 landw. Betriebe mit 19.927 ha enteignet. Dieses Land wurde verteilt an 904 Landarbeiter und landlose Bauern, 412 landarme Bauern, 517 Flüchtlinge und Umsiedler, 1.075 Kleinpächter, 3.269 Industriearbeiter und Angestellte, 44 Bauern bekamen Wald, 7 Lehr-, Schul-, Saat- und Tierzuchtwirtschaften, 71 Landgemeinden, städtische Selbstverwaltungen u. a. Organe und 74 VdgB.

Meine Frage nach 65 Jahren - hat sich der Ruf der Bauern und Handwerker nach ihrer Niederlage im Großen Deutschen Bauernkrieg „Unsere Enkel fechten es besser aus …“ erfüllt?

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