Noch weit bis zur wirklichen Einheit
Von Günther Lidke, Blickpunkt 10/2010;
Der Tag der deutschen Einheit naht und die Menschen aus der DDR machen sich ihre Gedanken über die Einheit. War es wirklich eine Vereinigung?
Von Günther Lidke
(Artikel aus Blickpunkt 10/2010)
Der Tag der deutschen Einheit naht und die Menschen aus der DDR machen sich ihre Gedanken über die Einheit. War es wirklich eine Vereinigung? War es ein Beitritt oder ein Anschluss? Ich meine:
„Laut Einigungsvertrag war es eine Vereinigung und eigentlich ein schönes wünschenswertes Ereignis, aber vom Charakter her war es eine geschickt eingefädelte Übernahme durch die Sieger, einschließlich deren Volksvermögen. Es war die Beseitigung der DDR ohne Wenn und Aber. Den Menschen aus dem Osten Deutschlands wurde ein gesellschaftliches System übergestülpt, das ihnen fremd war, das von Profitgier getrieben wird, ihnen zweifelhafte Vorzüge brachte, aber auch die dem Kapitalismus eigenen Gebrechen.
Von den Vorzügen der DDR wurde außer dem “Ampelmännchen” nur wenig übernommen. Die Vereinigungsgewinne flossen in den Westen, leistungsfähige Betriebe wurden den Konzernen übereignet oder als Konkurrenten kaputt gemacht. Auch die Kapazitäten in der Landwirtschaft wurden reduziert.
Arbeitslosigkeit, Obdachlosigkeit und Armut zogen ein. Der herrschende Zeitgeist kehrt die Tatsache unter den Tisch, dass diese Formen der gesellschaftlichen Ausgrenzung in der DDR unbekannt waren, und reduziert die DDR auf Diktatur, Staatssicherheit und Menschenrechtsverletzungen. Dieser durch die Medien und ihren Hintermännern vorgegebene Zeitgeist will vor allem die Erinnerungen der Menschen verwässern und umdeuten.

