Trampolin, der Sprung zum Reichtum!
Von Jürgen Keil
Am 15. Juli 2009 zeigte die ARD-exclusiv-Sendung „Die Armutsindustrie“ sehr deutlich den Zustand auf dem heutigen Arbeitsmarkt und die derzeitige Entwicklung einer parallelen Arbeitswelt.
Von Jürgen Keil
Am 15. Juli 2009 zeigte die ARD-exclusiv-Sendung „Die Armutsindustrie“ sehr deutlich den Zustand auf dem heutigen Arbeitsmarkt und die derzeitige Entwicklung einer parallelen Arbeitswelt. Dieser Film fragt auch danach, wie aus dem Mangel von Arbeit ein Geschäft werden konnte. Die Frage im Film: „Wer profitiert eigentlich davon?“ Dies wird im Film eindeutig beantwortet (s. Untertitel „Die Armutsindustrie“).
Auf Grund des Mangels an Arbeit beauftragen die Arbeitsagenturen bzw. ARGEn bestimmte Firmen, so genannte „Beschäftigungsgesellschaften“, Arbeitslose gegen Lohnzuschuss einzustellen, „Qualifizierungs“-Kurse anzubieten und Praktika zu organisieren. Die Gesellschaften beschäftigen die Arbeitslosen in Ein-Euro-Jobs oder sie vermitteln die Arbeitslosen zu Praktika für 0,- € / h an andere Firmen, in denen die Praktikanten nach der Maßnahme angeblich die Chance haben als Beschäftigte in der Firma übernommen zu werden. Dass dies meist unreal und irrig ist, zeigt dieser Film an Beispielen sehr anschaulich.
Der erste Teil des Films zeigt die Produktion von Trampolinen, welche von einer Kölner Firma mit wenigen Festangestellten durch den Zusammenbau der gelieferten Teile realisiert wird. Die Zulieferung der Teile erfolgt von der Beschäftigungsgesellschaft „Neue Arbeit“ in Stuttgart und von anderen privaten Firmen. Die Beschäftigungsgesellschaft lässt die Zwischenprodukte mit Ein-Euro-Jobbern herstellen. Auch die privaten Firmen arbeiten in großem Maße über Monate mit vielen Praktikanten (keine Bezahlung) und mit Arbeitskräften auf geförderten Arbeitsstellen (teilweise Bezahlung durch Arbeitsagentur bzw. ARGE). Die gut qualifizierten Arbeitskräfte, welche in den Zulieferbetrieben arbeiten, erhalten etwa 30 bis 50 % des normalen Lohnes. Das Wort „Trampolin“ wird für viele Beschäftigten in den Zulieferbetrieben zum Hohn. Die angebliche Unterstützung in die Arbeitswelt, welche die Förderinstrumente der ARGEn bieten sollen, ist nichts wert. Reich werden nur diejenigen, die hinter dieser „Neuen Industrie“ stehen und von den niedrigen Produktpreisen profitieren. Erinnert dies nicht sehr an das Gedicht „PARADE DES ALTEN NEUEN“ von Bertolt Brecht (s. Abdruck im Blickpunkt 12/2008).
Es wird offenkundig, dass sozialversicherungspflichtige Beschäftigung in vielen Betrieben zur Ausnahme wird. Dies fällt anscheinend bloß „Wenigen“ auf. Viele Kapitalvertreter (führende Manager) erinnern sich ihrer sozialen Verantwortung nur, wenn sie direkt danach befragt werden. Erst die Frage der Reporterin, ob die qualifizierten Arbeitskräfte in den Zulieferbetrieben nicht entsprechend ihrer Leistung bezahlt werden müssten, lässt den befragten Manager stutzig werden. Er gab zu, dass eine gerechte Bezahlung sinnvoller sei und erklärte auf Nachfrage, dass er nicht kompetent genug ist, die Verhältnisse in dem Zulieferbetrieb „Neue Arbeit“ einschätzen zu können. Dass er dies nicht bewerten wollte oder konnte, ist sehr verständlich, da der Staat sich mit seinen angeblichen „Fördermaßnahmen“ hier direkt als Lohndrücker betätigt, offensichtlich Tariflöhne untergräbtund selbst die noch in sozialversicherungspflichtiger Tätigkeit beschäftigen Arbeiter und Angestellten unter Druck setzt.
Die Erfahrungen eines Älteren mit dieser „Neuen Industrie“ zeigt, dass diese Arbeit kaum bzw. besser gesagt gar nicht zur Qualifizierung beiträgt und auch keine dauerhafte Arbeit schafft, von der man leben kann. Der Ältere - jahrzehntelang Kraftfahrer - bekam ein Praktikum mit der Aufgabe Einzelteile in Pakete einzupacken. Zielungenauer kann kaum eine angebliche Qualifizierung sein. Mich würde nicht wundern, wenn von der Behörde zur gleichen Zeit Nicht-Kraftfahrer zu Kraftfahrern ausgebildet wurden. Nach dem Praktikum war der Ältere wiederum arbeitslos. Ihn verwunderte, dass er ein Arbeitsangebot über die Behörde von einer Firma bekam, die ihn vorher wegen des Alters ablehnte. Er fand dies völlig unverständlich. Er sprach darüber auch mit seiner Vermittlerin in der Behörde. Das Typische in ihrer Antwort war das Gerede zur Motivierung. Anscheinend möchte die Behörde mit diesem eingeübten Gerede bei Außenstehenden den Eindruck erwecken, dass die Arbeitslosen faul sind. Dieses Beispiel zeigt auch, dass die Erfahrungen und das Wissen der Menschen von den Unternehmen und den Behörden bewusst entwertet werden, um Löhne und Gehälter zu drücken.
Ein Jüngerer bekam einen Ein-Euro-Job bei der Beschäftigungsgesellschaft der DEKRA, um nachzuweisen dass er arbeitsbereit ist. Dieser Job diente gleichzeitig zur Eignungsfeststellung, um ein Anrecht auf eine Umschulung zu erhalten. Weshalb nur bei einem Ein-Euro-Job die Eignung feststellbar ist, war aus dem Fernsehbeitrag nicht erkennbar. Dieser sachliche und objektive Fernsehberichtwurde bisher nicht wiederholt. Warum wohl? Die Behandlung der Arbeitslosen beweist, dass die demokratische Forderung der LINKEN hinsichtlich der Abschaffung von HARTZ IV, äußerst wichtig ist.
